Konrad Enzel, Optikermeister

24.10. BIS 15.11.2017

Von der Margret Marquardt Klinik in Kpando/ Ghana wurde ein Augenoptiker angefordert, der einen neuen Schleifautomaten einrichtet und drei Ghanaer in die Arbeitsweise dieses Automaten einweist. Mit dieser Aufgabe wurde ich durch SES Bonn Anfang Februar 2017 beauftragt. Die Planung sah vor, dass der Aufenthalt 3 Wochen ab Oktober 2017 stattfinden sollte.

Im Vorfeld stellte sich dann aber heraus, dass sich der Schleifautomat noch nicht in Kpando befindet. In einer Mail vom 17.09. 2017 wurde die Lieferung innerhalb 6 Wochen angekündigt. Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen habe ich dann einen neuen Handschleifstein mitgenommen, der vom Entwicklungsdienst Deutscher Augenoptiker gestiftet wurde. So konnte ich mit den mitgebrachten Mitteln die Grundlagen zur Erstellung einer Brille nach medizinisch optischen Kriterien vermitteln. Zudem konnten die handwerklichen Grundtätigkeiten mit dem Handschleifstein demonstriert und von den Herren Vorvor, Mawunyo und Ofori selbst geübt werden.

Das Kennenlernen und der Umgang mit den verschieden Brillenglasmaterialien (mineralisches und Kunststoffglas) war die erste Tätigkeit.

Die Randbearbeitung von Brillengläsern war die nächste Stufe, die geübt wurde. (Bröckeln und Schleifen). Die Formrandung unter Berücksichtigung der Kriterien Formgenauigkeit, rechts links Gleichheit und Spannungsfreiheit war der nächste Schritt. Die Nutenfräsung für Nylorbrillen wurde gezeigt und jeweils ausprobiert. Demonstration der verschiedenen Handwerkzeuge und Zangen der Augenoptik und deren Handhabung.Vermittelt wurden auch die theoretischen und praktischen Kenntnisse zur Ermittlung der Pupillendistanz und der Anzeichnungshöhe von Bifokal- und Gleitsichtgläsern. Über die Fassungsbemaßung und Benennung der Fassungsteile wurde gesprochen und erläutert. Des weiteren wurde erklärt und praktisch geübt, den optischen Mittelpunkt von Brillengläsern, die Achsenlage bei zylindrischen Gläsern und die Dioptrie der Gläser ohne Scheitelbrechwertmesser zu ermitteln und anzuzeichnen. Verbunden damit war auch die Vermittlung der internationalen Toleranzen. Ein weiteres Thema war die anatomische Brillenanpassung, die sowohl theoretisch als auch praktisch demonstriert und geübt wurde. Die grundlegenden Reparaturmöglichkeiten von Brillen wurden erläutert und geübt. Die Pflege von Maschinen und Geräten wurde gezeigt, erläutert und darauf hingewiesen, dass ohne diese Pflege keine langfristige Arbeit möglich ist. Zur Erläuterung habe ich einige Werkzeuge aus meinem fast 50-jährigen Bestand gezeigt, mit denen immer noch optimal gearbeitet werden kann.

Die angekündigte Randbearbeitungsmaschine ist erst einen Tag nach meiner Abreise in Kpando eingetroffen, so konnte ich leider diesen Teil des Auftrages nicht ausführen. Sollten die vermittelnden Kenntnisse nicht ausreichen die Maschine sinnvoll zu bedienen wäre zu überdenken, ob eine weitere Unterweisung notwendig wird. Diese könnte dann aber innerhalb ein bis zwei Wochen erfolgen. Die drei Herren waren sehr interessiert Neues kennenzulernen und willig meine Anweisungen gut auszuführen. Sie haben die Erläuterungen schnell umgesetzt, manchmal müsste noch etwas mehr geübt werden. Für die Drei war es nicht immer einfach, da sie in den normalen Klinikbetrieb einbezogen waren und öfters Patienten betreuen mussten. Für diese Doppelbelastung und die damit oft schwierige Situation hatte ich Verständnis und großen Respekt.

Als sehr hilfreich hat sich die Anwesenheit von Frau Magdalena Schachtl erwiesen, die einerseits sehr gute Englischkenntnisse und zudem das notwendige Fachwissen hat. Sie hat mir sehr geholfen und kann auch jetzt sicher immer noch Hilfestellung geben.